Seliger Schetzel – der Einsiedler im Grünewald

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Im Innern der Höh­le wur­den zum Gedenken an den Seli­gen Schet­zel (rechts) und Archardus (links) Heili­gen­stat­uen aufgestellt. Ihre feier­liche Seg­nung erfol­gte durch Bischof J. Hen­gen im August 1970.

Der Selige Schet­zel, auch Schet­ze­lo genan­nt, war ein Eremit, der im 12. Jahrhun­dert zurück­ge­zo­gen im Grünewald lebte. Er ver­brachte dort die let­zten 14 Jahre seines Lebens — wahrschein­lich von 1124 bis zu seinem Tode am 11. August 1138 oder 1139 — das genaue Todes­jahr ist unbekan­nt.

Der Selige Schet­zel war wohl Zis­terzienser­mönch gewe­sen und kam wahrschein­lich aus dem Kloster von Orval; er war ein Ein­siedler, ein Mann, der die Abgeschieden­heit und Ein­samkeit gewählt hat­te, um dort als strenger Büßer zu leben und zu beten und dem Her­rn nahe zu sein. Vie­len Men­schen war er ein Rat­ge­ber. Als Unterkun­ft wählte er eine Höh­le, in der er auf dem nack­ten Stein­bo­den schlief — als Nahrung dien­ten ihm die Pflanzen des Waldes. Seinen Durst stillte er an der etwa 200 m von sein­er Höh­le ent­fer­nt entsprin­gen­den Quelle der Weißen Ernz, heute ”Schet­zel­bur” genan­nt.

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Ehe­ma­liges Klein­bauern­haus in Hostert, an dessen Tür der Eremit des Nachts, mündlichen Über­liefer­un­gen nach, sein Stück Brot vor­fand.

Da der Selige Schet­zel sich während der stren­gen Win­ter sein­er let­zten vier Leben­s­jahre dem Hunger­tod aus­ge­set­zt sah, ver­ließ er die Ein­samkeit des Waldes und näherte sich nachts den benach­barten Bauern­häusern. Er ver­weilte im Hof, wo er auf Stroh schlief und das ihm gere­ichte Brot aß. Noch vor Mor­gen­grauen kehrte er jedoch wieder in die von ihm gewählte Ein­samkeit zurück.

Der einzige schriftliche Beleg über die Exis­tenz sowie den Aufen­thalt des Schet­zel im Grünewald ist der Augen­zeu­gen­bericht des späteren Novizen­meis­ters Archardus von Clair­vaux über seine Begeg­nung mit dem Eremiten. Seine Schilderun­gen wur­den von seinem Mit­brud­er Her­ber­tus niedergeschrieben. Bei allen anderen Nieder­schriften han­delt es sich aller Wahrschein­lichkeit nach um Leg­en­den.

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Alljährlich wird am zweit­en Son­ntag im August mit ein­er Freilichtmesse und Wälder­seg­nung die ”Schet­zelfeier” zum Gedenken an den Eremiten began­gen.

Der Selige Schet­zel starb so wie er gelebt hat­te: in Ein­samkeit. Zu seinem Begräb­nis jedoch strömten Mönche wie auch viele Men­schen aus dem Volk. Sie begruben ihn vor sein­er Höh­le und errichteten ange­blich über dem Grab zu seinen Ehren eine Kapelle aus Holz. Um 1150 wurde sein Leich­nam in die Benedik­tin­er­a­btei Alt­mün­ster gebracht, wo er in einem sil­ber­nen Sarg vor dem Hochal­tar der Klosterkirche beige­set­zt wurde. Seine Reliquien genossen bis zu ihrem Ver­schwinden durch die Zer­störung der Abtei um das Jahr 1543 große Verehrung — zahlre­iche Wun­der sollen an seinem Grab geschehen sein. Seine let­zte Grab­stätte wurde bis heute nicht wiederge­fun­den.

HR_01_NZ-(5)Wand­malerei in der Pfar­rkirche von Hostert, die 1972/73 bei Ren­ovierungsar­beit­en übertüncht wurde: Archardus über­re­icht Schet­zel, der wohl Mönch gewe­sen war und als Eremit wahrschein­lich mit einem Kloster in Verbindung stand, einen Man­tel oder ein Mönchs­ge­wand.

Die Schetzelhöhle

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Auße­nan­sicht und Grun­driss der Schet­zel­höh­le. Gravur vom früheren Staat­sar­chitek­ten Charles Arendt (1860).

Die Höh­le im Lux­em­burg­er Sand­stein, in der Schet­zel lebte, Schet­zel­höh­le oder auch ”Eremitage” genan­nt, ist auf natür­liche Weise ent­standen und wurde von Men­schen­hand merk­lich erweit­ert.

Unge­fähr 3 m bre­it, 2,50 m tief und 2,50 m hoch bot sie dem Eremiten Schutz vor Wind und Wet­ter. Die lange Zeit ver­schüt­tete Höh­le wurde im 19. Jahrhun­dert von Pfar­rer J. Klein aus Weimer­skirch wieder instandge­set­zt.

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