Geschichte des Grünewaldes

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Erst in der Franken­zeit began­nen die Herrsch­er die davor her­ren­losen und unwegsamen Waldge­bi­ete mit ihrem Bann zu bele­gen und so als königlich­es Eigen­tum (Regalien) zu beanspruchen. Die Wälder, die oft als Reich­sle­hen an Vasallen über­tra­gen wur­den, wur­den auch als Kro­n­wälder beze­ich­net. Aus ihnen entwick­el­ten sich die späteren Doma­nial­wälder (Beze­ich­nung der Wälder, die vor der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion in lan­desh­errschaftlichem Besitz waren). Der Grünewald ist der größte ehe­ma­lige Kro­n­wald des Lan­des.

Bannwald Grünewald

Eine Urkunde aus dem Jahr 1083 erwäh­nt bere­its die Über­tra­gung von Nutzungsrecht­en im Anven­er Wald. Später ist der Grünewald im Frei­heits­brief der Stadt Lux­em­burg, aus­gestellt im Jahre 1244 durch die Gräfin von Lux­em­burg Ermesinde II. (1186–1247), genan­nt, und dies in Zusam­men­hang mit den Bes­tim­mungen über das Wei­de­und Holzrecht der Bürg­er und auch dem Jag­drecht der Gräfin, die Teile des Grünewaldes zum Ban­nwald erk­lärte.

Im Laufe der wech­selvollen Geschichte des Großher­zog­tums Lux­em­burg unter­lag der Grünewald unter­schiedlichen Herrschaft­se­in­flüssen (Haus Bur­gund, Hab­s­bur­gis­che Nieder­lande, Spanis­che Nieder­lande, Frankre­ich, Öster­re­ichis­che Nieder­lande). In diese Zeit­en fall­en mehrere ”Forstord­nun­gen”, die nicht nur die Forstauf­sicht oder die Forstfrev­el, son­dern auch die Bewirtschaf­tung der Wälder regel­ten. Bere­its 1535 wurde auf­grund des dev­astierten Waldzu­s­tandes der Auf­trag erteilt, den Grünewald zu ver­messen, eine Karte des Waldes anzufer­ti­gen und diesen in Schläge einzuteilen.

Wil­helm I. (1815 — 1840) aus dem Haus Oranien-Nas­sau ver­steigerte große Teile des Grünewaldes. Sein Nach­fol­ger Wil­helm II. (1840–1849) kaufte große Teile zurück.

Die Dom­meldinger Eisen­hütte um 1930, im Hin­ter­grund der Grünewald. Die Indus­trie benötigte über Jahrhun­derte hin­weg sehr viel Holz und der Wald wurde aus­ge­beutet.

Domanialwald

Holzver­sorgung ein­er mit­te­lal­ter­lichen Stadt

Mit der Annex­ion des Lan­des durch die Trup­pen der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion 1794/95 bildete Lux­em­burg als ”Départe­ment des Forêts” für die fol­gen­den 20 Jahre einen Teil Frankre­ichs. Der Grünewald hat­te haupt­säch­lich den Zweck, die Fes­tung Lux­em­burg mit Brennholz zu ver­sor­gen.

Im Zuge der Neuord­nung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 wurde der Grünewald zur Staats­domäne.

Um sich Gelder zur Regelung der Kriegss­chulden zu beschaf­fen, scheute man sich nicht, auch die aus­gedehn­ten Staats­domä­nen öffentlich ver­steigern zu lassen. So kam es unter der Herrschaft Wil­helms I., dem ersten Großher­zog des neuen Staates Lux­em­burg, zu ein­er schrit­tweisen Veräußerung des Grünewaldes.

Die let­zten 679,1 ha des 2524 ha großen Grünewaldes soll­ten 1848 ver­steigert wer­den, weil die ordentlichen Staat­sein­nah­men nicht aus­re­icht­en, um eine zeit­gerechte Aus­führung der Bahn- und Straßen­bauar­beit­en zu sich­ern. Da bei der Ver­steigerung kein angemessen­er Preis geboten wurde, kaufte der Nach­fol­ger von Wil­helm I., Großher­zog Wil­helm II., am 12. Feb­ru­ar 1848 den Wald. Im Rah­men ein­er neuen Forstpoli­tik begann der Staat Anfang des 20. Jahrhun­derts nach und nach Teile des ehe­ma­li­gen lan­desh­errschaftlichen Grünewaldes zurück­zukaufen. Bis auf ca. 1.000 ha großher­zoglichen Pri­vatbe­sitz ist der ca. 4.500 ha große Grünewald heute wieder im Besitz des Staates.

Der Grünewald heute

Der Grünewald heute — grüne Lunge der Stadt Lux­em­burg, Erhol­ung­sort und wertvolles Wald­biotop.

Der Grünewald ist heute der größte zusam­men­hän­gende Wald­kom­plex Lux­em­burgs und weist neben seinem forstlichen, ökol­o­gis­chen (Habi­tat­zone) und land­schaftlichen Wert auch einen hohen kul­turhis­torischen Wert auf. Dieser Tat­sache wurde durch min­is­teriellen Beschluss vom 29. April 1966 Rech­nung getra­gen, in dem große Teile des Grünewaldes zum nationalen Kul­tur­denkmal erk­lärt wur­den.

Historische Karten des Grünewaldes

Luxem­burg 1581 Luxem­burg 1616 zur Zeit der 
ers­ten Herr­schaft der Spa­nier
Luxem­burg 1712 zur Zeit der 
zwei­ten Herr­schaft der Spa­nier
Luxem­burg im Jahre 1717 zur Zeit 
der Herr­schaft der Öster­rei­cher
Detail­karte des Grü­ne­wal­des
aus dem Jahre 1721
Der Grü­ne­wald auf der Fer­raris-​Karte
aus der Hälfte des 18. Jahr­hun­derts

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