Geschichte der Waldnutzung

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Jagdliche Nutzung

04_GW_JZ (4)Die Jag­dausübung gehört zu den ältesten Nutzun­gen des Waldes. Ursprünglich diente die Jagd auss­chließlich der Lebenssicherung und Nahrungs­beschaf­fung. So wur­den Felle für die Klei­dung und Knochen für die Her­stel­lung von Werkzeu­gen und Waf­fen gebraucht. Das Fleisch war uner­lässliche Grund­lage der Ernährung.

Noch im Früh­mit­te­lal­ter wurde die Jagd von allen Bauern ein­er Markgenossen­schaft (d. h. der bäuer­lichen Gemein­schaft, die das Gemeineigen­tum an Wald und Wei­de hat­te) aus­geübt. Erst mit der Bannle­gung der markgenossen­schaftlichen Wälder durch die Lan­desh­er­ren wurde die Jagd zum Priv­i­leg des Adels. Das Recht des freien Tier­fangs wurde durch Ban­n­forste eingeschränkt, in denen der Herrsch­er sich die alleinige Nutzung vor­be­hielt.

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Die Jagd mit dem Falken war im Hochmit­te­lal­ter in Mit­teleu­ropa weit ver­bre­it­et. Sie diente beson­ders beim Adel kaum der Erlan­gung von Wild­bret, son­dern vielmehr sportlichen Zweck­en. Die Beiz­jagd war in erster Lin­ie ein gesellschaftlich­es Ereig­nis, an dem auch Frauen teil­nah­men. Illus­tra­tion ein­er mit­te­lal­ter­lichen Jagd (14. Jh.)

Im Frei­heits­brief der Stadt Lux­em­burg, aus­gestellt durch die Gräfin von Lux­em­burg Ermesinde II. (1186–1247) im Jahre 1244, wird ein Teil des Grünewaldes zum Ban­nwald erk­lärt. In diesem Bere­ich durfte kein Bürg­er, bei Strafe von fünf Soli­di, mit Hun­den, Net­zen, Säck­en oder irgen­deinem anderen Jagdgerät jagen, son­dern nur mit dem Falken oder anderen Vögeln.

Die späteren ”Forstord­nun­gen”, die dem Schutz des Waldes dienen soll­ten, waren häu­fig Verord­nun­gen zum Schutz eines ungestörten Jagdablaufs. Die ungezügelte Jagdlei­den­schaft manch­er Herrsch­er führte zu enor­men Schä­den an Äck­ern und Wiesen. Zer­störte Saat­en oder Ern­ten ließen die Bauern oft Hunger lei­den. So ist es wenig ver­wun­der­lich, dass der umfan­gre­iche Jagd- und Wild­schaden in Wald und Flur sowie die Verpflich­tung der Leibeige­nen zu Jagdfron­di­en­sten eine der Ursachen für die Bauernkriege ab dem 14./15. Jahrhun­dert waren.

Zeidlerei

Der Zei­dler (vom alt­deutschen ”zei­deln”; d. h. ”Honig schnei­den”), dessen Beruf sich bere­its im Früh­mit­te­lal­ter nach­weisen lässt und der im Dienst geistlich­er und weltlich­er Her­ren stand, sam­melte gewerb­smäßig den Honig wilder oder domes­tiziert­er Bienen in den Wäldern. Er ver­wen­dete anders als der Imk­er dazu jedoch keinen gez­im­merten Bienen­stock. Neben ihrer Funk­tion als Nek­tar­quelle dien­ten v.a. starke Bäume (Linde, Sal­wei­de, Kiefer, Eiche) nach kün­stlich­er Aushöh­lung der Ansied­lung von Wild­bi­enen­völk­ern. Honigernte war im Herb­st.

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Bauern beim Ein­sam­meln von Honig — Kupfer­stich (16. Jahrhun­dert)

Über­aus gün­stig, wenn nicht sog­ar Voraus­set­zung für die Zei­dlerei waren Nadel­holzge­bi­ete, zumin­d­est aber lichte Mis­chwälder. Die Zei­dler bilde­ten eigene Zün­fte mit bes­timmten Rechts­bräuchen und übten sog­ar eine eigene niedere Gerichts­barkeit aus.

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His­torische Darstel­lung der Zei­dlerei

Noch im 10. Jahrhun­dert wurde der Großteil des Honigs nicht aus Haus­bi­enen­zucht, son­dern aus Wald­bi­enen­wirtschaft gewon­nen und stellte bis in die Neuzeit die einzige Quelle für Süßstoff dar. Erst als der Wachs­be­darf für die Beleuch­tung in Bur­gen, Kirchen, Klöstern und Städten stark anstieg, bekam die Imk­erei Auftrieb. Es wurde ver­mehrt Wachs pro­duziert, während Honig, Met (Honig­wein) nun eher Neben­pro­duk­te waren.

Der schle­ichende Nieder­gang der Zei­dlerei ver­lief in Europa von West nach Ost. Der Nieder­gang wurde ein­geleit­et durch die Ein­fuhr von Rohrzuck­er, der aber noch im 17. Jahrhun­dert so teuer war, dass ihn sich nur reichere Leute leis­ten kon­nten. Erst der Anbau von Zuck­er­rüben änderte die Sit­u­a­tion.

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